Die Germania-Briefmarken gehören zu den bekanntesten und am längsten verwendeten Briefmarken des Deutschen Kaiserreichs und der frühen Weimarer Republik.
Zwischen 1900 und 1922 prägte das Bildnis der Germania über zwei Jahrzehnte hinweg den deutschen Postverkehr – und das in einer Zeit großer Umbrüche, vom Glanz des Kaiserreichs bis hin zu den Wirren des Ersten Weltkriegs und den ersten Jahren der Weimarer Republik.
Ursprung und Entwurf
Die Germania-Darstellung wurde von Paul Eduard Waldraff entworfen und geht auf eine Darstellung der Schauspielerin Anna Führing zurück, die in Berlin als Germania bei einem Theaterfest auftrat.
Die Wahl des Motivs sollte ein neutrales, überparteiliches Symbol schaffen, das sich von den Abbildungen des Kaisers abhob.
Vielfalt der Ausgaben
Über die Jahre erschienen die Marken in zahlreichen Wertstufen, Farben, Wasserzeichen und Zähnungen. Besonders spannend ist für Sammler die Unterscheidung zwischen den Friedensdrucken (1905 - 1913) und den späteren Kriegsdrucken (ab 1915).
Während die Friedensdrucke auf feinem Papier und Druck hergestellt wurden, zeigen die Kriegsdrucke die Spuren der Rohstoffknappheit: minderwertiges Papier, gröberes Druckbild, stumpfere Farben und ungleichmäßige Gummierung.
Historische Bedeutung
Die Germania-Marken begleiteten viele wichtige historische Ereignisse. Grob lassen sich folgende Ausgaben unterscheiden:
- 1900: Erstausgabe zum Beginn des neuen Jahrhunderts mit der Beschriftung "Reichspost" unten
- 1902: Ausgabe mit der Beschriftung "Deutsches Reich" aber noch ohne Wasserzeichen
- 1905-1913: Der sog. Friedensdruck mit der Beschriftung "Deutsches Reich" aber nun mit Wasserzeichen
- 1914–1919: Der sog. Kriegsdruck in schlechterer Druckqualität als zuvor mit der Beschriftung "Deutsches Reich" und auch mit Wasserzeichen. Verwendung also während des Ersten Weltkriegs.
- Ab 1916 - 1922: Weitere Nominalen also Ergänzungswerte z.T. mit Aufdrucken. Hintergrund teilweise nicht mehr schraffiert.
- 1919 Aufdruck "für Kriegsbeschädigte" zwei Zuschlagsmarken zu 10 + 5 Pf und 15 + 5 PfGermania Zuschlagsmarke
- 1922: Ende der Germania-Ära, Ablösung durch neue Bildmotive in der Weimarer Republik.
Damit bilden sie eine Brücke zwischen Kaiserreich und Republik und spiegeln die politischen und wirtschaftlichen Umstände ihrer Zeit wider.
Zudem wurden Germania-Briefmarken in zahlreichen Gebieten mit entsprechenden Aufdrucken ausgegeben.
Beispiel für eine Germania Marke mit Aufdruck: Deutsche Post in Polen im 1. Weltkrieg, ab 12. Mai 1915
Beliebtheit bei Sammlern
Die Germania-Marken gehören zu den beliebtesten Sammelgebieten der deutschen Philatelie. Es gibt unzählige Varianten:
- unterschiedliche Wasserzeichen
- Farbnuancen
- Aufdrucke (z. B. für besetzte Gebiete oder Kolonien)
- Besonderheiten bei Zähnung und Druckqualität
Für Einsteiger bieten sie ein spannendes Feld, da viele dieser Marken günstig erhältlich sind. Fortgeschrittene Sammler wiederum finden in seltenen Farben, Plattenfehlern oder postgeschichtlich interessanten Belegen ein weites Betätigungsfeld.
Fazit
Die Germania-Marken sind weit mehr als nur Briefmarken – sie sind Zeitzeugen einer bewegten Epoche. Ihre Vielgestaltigkeit und historische Bedeutung machen sie zu einem faszinierenden Sammelgebiet, das bis heute Generationen von Philatelisten begeistert.
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